Buchzusammenfassung: „Kulturschock“ von Myron Loss

„Kulturschock – Umgang mit Stress in einem kulturübergreifenden Leben“ von Myron Loss

Myron Loss beschäftigt sich in dieser Forschungsarbeit, die erstmals 1983 publiziert wurde, mit der Frage, weshalb 15-25 % der Missionare, die eine Laufbahn als Langzeitmissionare antreten, diese nach der ersten Dienstperiode (dauert ca. 3-5 Jahre) abbrechen. Nimmt man die Abbrecher nach dem zweiten Diensteinsatz hinzu, beläuft sich der Satz sogar auf 28% (Pensionierungen, Sterbefälle und Missionare mit geplant kurzer Einsatzzeit sind darin nicht enthalten).

Zum Autor
Myron Loss schloss die Penn State Universität als Ingenieur ab und diente fünf Jahre als Pilot in der U.S. Luftwaffe, hiervon ein Jahr in Südvietnam. Er absolvierte auch das Moody Bibelinstitut und die Columbia Graduierten-Bibelschule mit einem Master in Mission und einem Master in Theologie. Er und seine Frau mit ihren zwei Kindern dienen als Missionare in der Gemeindegründung mit der S.I.M. International in Paraguay, Südamerika.

Was haben wir aus dem Buch gelernt?
Wir haben gelernt, dass die erste Dienstperiode für uns stressig sein wird und dass es wichtig ist, das anzuerkennen, sich darauf einzustellen und v.a. sich mit Gottes Hilfe gründlich darauf vorzubereiten, damit das Stressniveau – auch wenn es hoch sein wird – so gering wie möglich gehalten wird.

Wenn man Kultur etwas „breit“ definiert dann ist Kultur das, was einen zum Fremden macht, wenn man außerhalb seiner Heimat unterwegs ist. Die Kultur definiert, was angebracht ist und wie passendes Verhalten aussieht.

Es war echt hilfreich für uns die praktischen, handfesten Ausführungen im Buch durchzulesen dazu, auf welchen Gebieten einen neuen Missionar durch den Kulturwechsel Stress erwartet, damit wir diese auf dem Radar haben. Darunter fällt u. A.:

    • Veränderung der gesellschaftlichen Rolle: Man wird vom Wissenden in seiner heimatlichen Kultur zum Lernenden in der neuen Kultur, man wird wieder zu einem „Kind“, das von Null auf angebrachtes Verhalten lernen muss, wie z.B. Verhalten in der neuen Gemeinde, verhalten ggü. Nachbarn oder Behörden, beim Einkaufen, im öffentlichen Verkehr. Dies kann am Anfang zum Gefühl der Desorientierung und zu Frust führen.
      Veränderung der Sprache: Die ersten Schwierigkeiten sind im sprachlichen Bereich, denn durch Sprache drücken wir uns aus und nehmen am gesellschaftlichen Leben teil. In der neuen Sprache ist dies oft auch nach Wochen nur sehr eingeschränkt möglich, man ist also auch hier wieder wie ein „Kind“, das anfangs nur einfache Dinge sagen kann und neu lernen muss sich zu verständigen.

      Man sollte sich also auf einen gewissen Frustrationslevel einstellen, da man trotz intensivem und anstrengendem Sprachstudium längere Zeit nicht fähig ist, das zur Sprache zu bringen, was man möchte, dabei noch Fehler macht und mit Missverständnissen zu kämpfen hat. Hinzu kommt, dass man nach einiger Zeit in seiner Muttersprache einen Teil seiner Sprachfertigkeit einbüßt.

      Veränderung in der Routine: Im neuen Land stellt man schnell fest, dass der Alltag einen vor große Herausforderungen stellt. Man muss vielleicht mit völlig anderen Zutaten und Utensilien neu kochen lernen, und in manchen Ländern oder Landstrichen ohne Herd und Kühlschrank auskommen. Im fortschrittlichen Japan findet man am häufigsten den Gasherd in Mietswohnungen vor und die Küchengröße ist – gemessen am deutschen Standard – meist winzig, z.B. nur eine Schrank-Küche mit einer kleinen Spüle, ein bis zwei Kochplatten und einem winzigen Kühlschrank mit einem noch kleineren Gefrierfach und oft ohne Oberfläche zum Vorbereiten der Zutaten. Manche Mietswohnungen haben auch gar keine Küche, weil Essen gehen in Japan gang und gäbe ist und man sich für wenige Euro gut satt essen kann.

      Jedenfalls muss man sich darauf einstellen, dass alltägliche Dinge und Besorgungen, die im eigenen Land recht schnell zu erledigen waren, weil man sich damit auskannte, am Anfang viel mehr Zeit in Anspruch nehmen. Beim Einkaufen in Japan muss man z.B. erst herausfinden, wie man gesalzene Butter von ungesalzener unterscheidet (vor Weihnachten kann es einem passieren, dass die ungesalzene ausverkauft ist …), welche Art von Mehl man vor sich hat (小麦粉 Weizenmehl oder 蕎麦粉 Buchweizenmehl?) oder wozu die verschiedenen Sorten von Tofu gut sind.

      Auch muss man lernen wie man Müll trennt und an welchem Tag man welche Müllart rausbringt (Müllentsorgng ist in Japan echt eine Vollzeitbeschäftigung, das deutsche Mülltrennsystem ist völlig harmlos dagegen …), wie der Busverkehr funktioniert und wie man dafür bezahlt, wie man mit dem Linksverkehr auf den Straßen zurechtkommt, welche Spartickets es für Bus und Bahn gibt und wie man möglichst an einen günstigen Handyvertrag kommt etc.

      Wer schon mal einen geographischen Wechsel hinter sich gebracht hat, seinen Beruf oder die Abteilung gewechselt hat oder in anderen Zusammenhängen sich plötzlich in veränderten Lebensbedingungen wiedergefunden hat, kann die Kraft und Zeit, die so eine Umstellung von einem verlangt, bestimmt ansatzweise nachvollziehen.

      Veränderung in der Bildung zwischenmenschlicher Beziehungen: Beziehungen knüpfen und Freundschaften aufbauen ist in einer fremden Kultur schwieriger, langwieriger und weniger „natürlich“ als in der eigenen Kultur. Missverständnisse auf beiden Seiten, Angst vor Missverständnissen und andere Hemmungen machen es schwierig wirklich offen zu sein und einander „richtig“ zu verstehen. Es dauert daher viel länger echtes Vertrauen aufzubauen und tiefe Freundschaften wachsen zu lassen, die für das Vermitteln der frohen Botschaft Jesu Christi und der Liebe Gottes notwendig sind.
  • Was auch Stress hervorrufen kann, ist, wenn man selbst oder die Familie/Freunde/sendende Gemeinde/die Unterstützer eine falsche, „idealisierte“ Vorstellung von einem Missionar haben. D.h. dass man als Missionar keine Fehler machen wird, und keinerlei Probleme haben, alles können und total produktiv sein wird, emotional über allem stehen wird und weil man „heilig“ ist nie mit Heimweh oder ähnlichem kämpfen wird. Ihr seht schon, wenn man solche idealisierten Vorstellungen schwarz auf weiß hinschreibt, hören sie sich gleich überzogen an, aber das spukt in den Vorstellungen vieler herum, wenn das Wort „Missionar“ fällt.

    Es ist einfach wichtig fest in Gott zu ruhen, von Ihm alle Hilfe, Kraft und alles Durchtragen zu erwarten und zu wissen, dass man mit Stress, Müdigkeit, Frust, Verzweiflung, Angst und Kummer zu Ihm kommen kann und Er in uns schwachen Menschen sich mächtig erzeigt. Der Fokus sollte immer auf unseren Herrn Jesus gerichtet sein, der alles kann, die Herzen lenkt und in und durch uns unfähige Menschen zu Seiner Ehre wirkt!

    Bitte betet,

    dass Gott uns für Seinen Dienst zurüstet und für all die Veränderungen, durch die wir gehen werden.
    dass wir unseren Fokus fest auf unseren Herrn Jesus Christus gerichtet lassen (wie Petrus, der auf dem Wasser ging, solange er auf Jesus und nicht auf Wind und Wellen blickte).
    dass Gott sich durch uns schwache Menschen verherrlicht und Ihm allein alle Ehre zukommt.